Wunderscheibe, Wundertrommel, Lebensrad / Täuschungsseher und Daumenkino – lange vor der Erfindung des Films kam Bewegung in die Bilder. Die ersten optischen Spielzeuge um 1830 beruhten auf der Entdeckung der Nachbildwirkung des Auges. Die einfachen und nachvollziehbaren Mechanismen machen sich auch zeitgenössische Künstler zunutze, wie Miguel Rothschild mit seiner Geschichte „Die Familie Mustermann“, die er in 67 (!) Daumenkinos inszeniert.
Der Schatten, eigentlich nur der nicht beleuchtete Raum hinter einem Körper, ist ein Mysterium. Flüchtig und nicht greifbar, werden ihm allerhand Eigenschaften zugesprochen. Der Schatten kann aufschlussreicher sein als das Objekt. Seit der Romantik sind Schattenbilder sehr beliebt, davon zeugen Silhouettenbilder, Handschattenkarten oder subversive Schachspiele: Bauern und Läufer, die zuerst im Spiel geopferten Figuren, tragen im Schatten das Profil Napoleons. Der vieldeutige Charakter des Schattens scheint auch spektakulär im Werk der brasilianischen Künstlerin Regina Silveira auf.
Guckkasten und Camera Obscura – beide wollen die Welt auf unterschiedliche Weise naturgetreu wiedergeben: Beim Hineinsehen in den Guckkasten eröffneten sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts dem Betrachter perspektivische Ausblicke von bislang unbekannter Tiefe, hervorgerufen durch kulissenartig gestaffelte Guckkastenblätter. Die Camera Obscura bündelt das durch ein Loch hineinfallendes Licht seitenverkehrt auf der gegenüberliegenden Wand und zeigt die Welt auf dem Kopf. Der Künstler Roland Stratmann baut einfache Camerae Obscurae aus Pappkartons, mit denen die Besucher ihr Umfeld betrachten können. Die Gesetze der Optik werden auf einfache Weise sichtbar.
• In der Führung stellen wir Guckkasten, Kulissentheater, Camera Obscura, Stereobilder und Kaleidoskop vor. (Dauer 60 Minuten)
Die Entdeckung der Zentralperspektive bestimmt die europäische Bildgeschichte. Sie täuscht Raum auf der Bildebene vor. Ihre Erfindung zwischen 1400 und 1500 leitete eine neue Zeit ein. Um perspektivisch exakt zu zeichnen, bedienten sich die Künstler verschiedener Zeichenhilfen. Albrecht Dürer (1471-1528) benutzte einen Holzrahmen mit einem Netz aus schwarzen Fäden, durch das er das Motiv auf die Zeichenfläche übertrug. Ein anderes Hilfsmittel war die Camera Obscura. Optiker und Physiker Johannis Zahn veröffentlichte ein Standardwerk über das Gebiet der Optik.
Richtig oder falsch herum? Parallel zum Aufkommen der perspektivischen Gesetze gab es die Lust, sie gegen den Strich zu bürsten. Wendeköpfe, die oben und unten verkehren, Landschaftsdarstellungen, die beim seitlichen Neigen des Kopfes Gesichter erscheinen lassen, zeugen von dem Vergnügen an dem Spiel mit Verwandlung. Der südafrikanische Künstler William Kentridge greift auf die Technik der Anamorphose zurück. Die auf einer wirbelnden Flugbahn drehenden Motive seiner Animation sind nur in einem spiegelnden Metallzylinder zu entschlüsseln. Die Malerin Margarete Hahner entwickelt ihre Bilderfolgen zu einem malerischen „Morphing“, das sich von Bild zu Bild kontinuierlich weiterentwickelt.Gefördert durch die
Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
