Blickmaschinen Symposium

Abstract

Ursula Frohne - Blickverhältnisse als Schwellenphänomene: Figurationen ästhetischer Grenzen in der Installationskunst


Anders als im traditionellen Kino übernimmt der Betrachter in filmischen Installationen eine aktive Rolle. In diesen ästhetisch gestalteten Bildräumen, die mit dem Dispositiv der Black Box auf den Charakter des Illusionsraums rekurrieren, bewegen sich die Betrachter im Blickfeld der anderen Anwesenden und agieren wie Protagonisten einer Aufführung. In der kinematographischen Installationsästhetik bedingt die Zergliederung des Raumes ein fluktuierendes Ensemble von temporalisierten Blick- und Wahrnehmungsmomenten. Die in den Raum hinein erweiterten Projektionsscreens der Kunstinstallation, die den Raum der Diegese und den Zuschauer-Raum in ein dynamisches Interaktionsverhältnis zueinander setzen, heben diese Grenze indessen nicht in einer Synthese beider Raumebenen auf. Vielmehr erstellen die künstlerischen Installationskomponenten eine Rahmenhandlung, die wiederum die Kulisse des filmischen Raums reflexiv in sich aufnimmt und den „Fiktionsvertrag“ (Eco 1994) zwischen Zuschauer und Autor als wirkungsästhetische Immanenz der filmischen Erzählung zur Darstellung bringt. Nach Arjun Appudarais Theorie der Globalisierung, die eine Vervielfältigung von Perspektiven und Projektionen hervorruft, löst sich die räumliche Ordnung der Moderne zugunsten einer Mannigfaltigkeit von hochdifferenzierten Perspektvierungen auf. Zugleich thematisieren die „kinematographischen Installationen“, deren kaleidoskopartige Panoramen multiple Blickpositionen erfordern, die Schwelle der undurchlässigen Vierten Wand nach brecht’scher Theaterauffassung, indem sie mit den Möglichkeiten der Blick- und Projektionsverhältnisse zwischen Darsteller und Publikum experimentieren und Walter Benjamins Erörterung dieser imaginären Vierten Wand als eine der filmischen Projektionslogik vorausgehende Bühnenhandlung in einer ambivalenten Potentialität der ästhetischen Grenze in den Blickverhältnissen reflektieren.

Ursula Frohne ist Professorin für Kunstgeschichte an der Universität zu Köln. Ihr Forschungsgebiet umfasst die Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts, die medialen Praktiken in der Gegenwartskunst, Bild- und Kulturtheorien. Sie war bis 2001 Kuratorin am ZKM Karlsruhe bis 2006 und lehrt seit 1997 an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe u.a. im Rahmen des Graduiertenkollegs Bild, Körper, Medium. Eine anthropologische Perspektive. 2001/02 als Gastprofessorin an der Brown University (USA) tätig, lehrte sie 2002 bis 2006 als Professorin für Kunstgeschichte an der International University Bremen. Ihre Forschung erhielt Förderungen durch das Getty Research Centre, Los Angeles (1991/90, 1998, 2008), das American Council for the Learned Societies, New York (1994/94) und das Pembroke Center, Providence, R.I. (2001/02).

Jüngere Publikationen: Kunst und Politik. Politische Kunst heute (Mithg.), 2008; Un_imaginable (Mithg.), Digital Art Edition mit DVD, Ostfildern-Ruit 2008; Kinematographische Räume. Filmische Ästhetik in Kunstinstallationen und inszenierter Fotografie, (Mithg., erscheint in München 2009); Art 'In-Formation'. Communication Aesthetics and Network Structures in Art from the 1960s to the Present, (Mithg., erscheint in Lebanon, NH, 2010).

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Die Präsentation ist eine Ausstellung im Rahmen des Projektes Visuelle Taktiken/ Visual Tactics und wird gefördert durch das EU-Culture Programme.

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